Bild: Klinikgrafik Neurochirurgie

Hirn- und Schädelbasistumoren

Die Klinik für Neurochirurgie ist Teil des Charité Comprehensive Center mit dem Modul "Neuroonkologische Tumoren". Das Modul ist bei der Deutschen Krebsgesellschaft seit 2012 zertifiziert.

Für die Sicherstellung der optimalen Behandlung erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurologie, Neuroradiologie und der Schmerzambulanz an den jeweiligen Standorten.

Sie befinden sich hier:

Hirn- und Schädelbasistumore

Die Klinik für Neurochirurgie bietet Ihnen mehrmals wöchentlich an den Standorten Campus Benjamin Franklin und Campus Charité Mitte Spezialsprechstunden mit dem Schwerpunkt Hirn- und Schädelbasistumoren an.

Sie können sich in der Tumorsprechstunde in der neurochirurgischen Hochschulambulanz beraten und behandeln lassen. Für die Terminvereinbarung kontaktieren Sie uns unter

+49 30 450 660 409

Behandlungsspektrum

Das Spektrum der Klinik für Neurochirurgie umfasst die operative Therapie und Nachbehandlung der hirneigenen und nicht hirneigenen Tumoren des zentralen Nervensystems und der Wirbelsäule.

Eine wöchentliche Tumorkonferenz mit Schädelbasisboard berät die meisten Fälle vor einer Operation zusammen mit anderen beteiligten Disziplinen (Neurologie, Neuroradiologie, Radioonkologie, Phoniatrie und HNO, Mund- Kiefer-Gesichtschirurgie, internistische Onkologie, Augenheilkunde, Neuropathologie).

Hirneigene Tumore: Behandlung und Therapie

Glioblastome, Astrozytome, Oligodendrogliome

Hirneigenen Tumore sind Glioblastome, Astrozytome, Oligodendrogliome.

Die molekularen Marker nehmen in der Therapie der hirneigenen Tumore eine wichtige Rolle ein, anhand derer Therapieentscheidungen gefällt werden. In unserer Klinik werden bei hirneigenen Tumoren MGMT-Status, die IDH-1 (R132) Punktmutation und der 1p19q Status standardmäßig bestimmt und die adjuvante Therapie daran ausgerichtet, um z.B. die Entscheidung primäre Radiatio bzw. Chemotherapie evidenzbasiert individuell zu fällen bzw. eine Kombinationstherapie anzustreben.

Chemotherapeutisch behandeln wir unsere Patienten mit den gängigen Chemotherapieprotokollen selbst (Temozolomid zyklisch adjuvant, Termozolomid metronomisch, PC-Chemotherapie, Avastin +/- Irinotecan, Avastin + CCNU sowie experimentelle pharmakologische Ansätze: Valproat hochdosiert, Glivec/ Litalir, H15 Boswellia serrata).

Das Wissen für die Zusatzbezeichnung "medikamentöse Tumortherapie" ist oberärztlich gewährleistet.

Schädelbasistumore: Behandlung und Therapie

Akustikneurinome

Für die Akustikusneurinome besteht eine Kooperation mit der Klinik für Hals-/ Nasen-/ Ohrenheilkunde der Charité, der Klinik für Audiologie und Phoniatrie der Charité sowie mit der Radioonkologie der Charité und insbesondere Cyberknifezentrum der Charité.

Behandlung und Therapie

Die Therapieberatung bezüglich des weiteren Vorgehens wird nach Diskussion in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz mit Schädelbasisboard von den 3 möglichen Behandlern durchgeführt. Die Vor- und Nachteile der einzelnen Therapien werden patientenorientiert besprochen und ein Behandlungsplan festgelegt.

Die Operationen werden in der Mehrzahl der Fälle über einen retrosigmidalen Zugang gehörerhaltend mikrochirurgisch durchgeführt (Hautschnitt hinter dem Ohr).

Ein möglicher zweiter operativer Zugangsweg besteht in der Operation durch das Felsenbein, dies ist jedoch nur bei vollständigem Hörverlust der betroffenen Stelle sinnvoll. Alternativ bietet sich die Radiochirurgie bei kleinen bis mittleren Tumoren bzw. höherem Lebensalter oder hohem Narkoserisiko an. Hier kann mit einer hochpräzisen Bestrahlungstechnik das Tumorwachstum gebremst werden. Die Kollegen der HNO beraten über die Möglichkeit von Implantaten zur Hörverbesserung (z.B. Cochlea- Implantat).

Die Funktion der Gesichtsnerven wird bei jedem Eingriff mittels elektrophysiologischem Monitoring überwacht. Bei einer zu starken Manipulation am Nerven erhält der Operateur somit Rückmeldung über das Risiko der Nervenschädigung und kann entsprechend reagieren. Bei Bedarf ist die Neuronavigation verfügbar.

Alle Patienten werden bei den Kooperationspartnern nach einem Eingriff angebunden. Die MRT-Kontrollen werden in unserer Ambulanz besprochen.

Meningeome

Wir behandeln alle Arten von Meningeomen an allen Lokalisationen im Kopf (Frontobasis, Tentorium, Optikusscheide).

Je nach Lokalisation besteht eine Kooperation mit der Klinik für HNO der Charité, der Klinik für Audiologie und Phoniatrie der Charité, der Klinik für Augenheilkunde er Charité, der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Charité sowie der Radioonkologie der Charité und insbesondere dem Cyberknifezentrum der Charité.

Behandlung und Therapie

Die Therapieberatung bezüglich des weiteren Vorgehens wird nach Diskussion in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz mit Schädelbasisboard durchgeführt.

Das Ziel der operativen Behandlung ist die möglichst komplette Entfernung des Tumors incl. Ansatzstelle an der Hirnhaut. Ist dies nicht möglich, kommt unter Umständen eine Teilentfernung in Frage, gefolgt von einer Strahlentherapie. Mittels Neuronavigation und intraoperativem Strukturabgleich kann eine operative Tumorentfernung so lange fortgesetzt werden, bis ein Zielvolumen für eine Bestrahlung ohne hohes Risiko für eine Schädigung von Risikostrukturen (z.B. Sehnerv oder Hirnstamm) erreicht ist. So können die Vorteile beider Behandlungsmodalitäten kombiniert und eine höhere Tumorkontrollrate erreicht werden.

Strahlentherapeutische Optionen beinhalten die stereotaktisch fraktionierte als auch die radiochirurgische Behandlung. Meningeome mit Expression von Somatostatin auf der Tumoroberfläche können nuklearmedizinisch behandelt werden. DOTATOC ist eine dem körpereigenen Hormon Somatostatin verwandte Substanz, die an Oberflächenrezeptoren der Tumore für "Somatostatin" binden und den Tumor erreichen. Für die Therapie ist DOTATOC mit der radioaktiven Substanz 90Yttrium gekoppelt, die dann zur Bestrahlung der Tumore führt.

Spinale Meningeome werden unter Schonung von Rückenmark und Spinalnerven stabilitätserhaltend mikrochirurgisch entfernt.

Auch hier stehen die mikrochirurgische Technik, das elektrophysiologische Monitoring und die Neuronavigation zur Verfügung.

Die chemotherapeutische Behandlung der Meningeome nimmt nur einen kleinen Stellenwert ein, wird nach durchgeführter operativer- und Strahlentherapie jedoch in einzelnen Fällen ebenfalls angewendet. Eine Phase II Studie zur Chemotherapie höhergradiger Meningeome ist geplant.

Alle Patienten werden ambulant nach einem Eingriff angebunden, auch bei den Kooperationspartnern, falls notwendig. Die MRT-Kontrollen werden in unserer Ambulanz besprochen.

Hypophysenadenome und Kraniopharyngeome

Für die Hypophysenadenome und Kraniopharyngeome besteht eine Kooperation mit der Klinik für Endokrinologie der Charité für die die vor- und nachstationäre endokrinologische Diagnostik (tumorbedingte Störungen des Hormonhaushalts) sowie mit der Klinik für Augenheilkunde der Charité zur Diagnose und Therapie möglicher tumorbedingter Sehschärfestörungen und Gesichtsfeldausfälle.

Behandlung

Die Operationen werden in der Mehrzahl der Fälle über die Nase in mikroskopischer Technik durchgeführt (Transsphenoidale Operation). In ausgewählten Fällen wird der Eingriff durch den Einsatz des Endoskops unterstützt. Nur wenige Patienten müssen über eine Schädelöffnung operiert werden, bei sehr grossen Tumoren ist. ggf. auch eine zweizeitige Operation über Nase und Schädel notwendig.

Die Tumorvisualisierung während des Eingriffs wird weiter mit dem Einsatz der ICG-Angiographie (Tumordarstellung mit Fluoreszenzfarbstoff Indocyanogrün) untersucht. Bei Bedarf ist die Neuronavigation verfügbar.

Alle Patienten werden bei den Kooperationspartnern nach einem Eingriff angebunden. Die MRT-Kontrollen werden in unserer Ambulanz besprochen. Es besteht eine enge Kooperation mit der Klinik für Radioonkologie der Charité für die strahlentherapeutische Behandlung von Rezidivtumoren oder höhergradigen Hypophysenadenomen.

Hirnmetastasen

Die Behandlung von Hirnmetastasen bildet einen weiteren Schwerpunkt der Neurochirurgischen Klinik.

Die Therapieberatung bezüglich des therapeutischen Vorgehens wird nach Diskussion in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz mit Schädelbasisboard durchgeführt.

Beim Nachweis von Hirnmetastasen wird zusammen mit den Kooperationspartnern, wie z.B. der Klinik für Hämatologie/ Onkologie der Charité, der Klinik für Gynäkologie der Charité, der

Bronchialcarcinomambulanz der Charité sowie mit der Radioonkologie der Charité und dem

Cyberknifezentrum der Charité ein Behandlungsplan erstellt.

Behandlung und Therapie

Oft stellt die operative Therapie den ersten Schritt dar. Das Ziel der operativen Behandlung ist die komplette Entfernung der Metastase und des lokal umgebenden Gewebes. auch hier stehen die mikrochirurgische Technik, das elktrophysiologische Monitoring und die Neuronavigation zur Verfügung.

Zum Vermeiden eines erneuten Tumorwachstums folgt der operativen Therapie meist eine strahlentherapeutische Behandlung des Metastasenbettes. In Einzelfällen kann auch eine Ganzhirnbestrahlung angezeigt sein. Metastasen, die nur mit einem hohen Risiko operativ anzugehen sind, werden nach Tumorboardbeschluss meist primär strahlentherapiert. Strahlentherapeutische Optionen beinhalten die stereotaktisch fraktionierte als auch die radiochirurgische Behandlung.

Zusätzlich wird immer eine begleitende systemische Chemotherapie auf ihre Wirksamkeit hin überprüft. So können die Vorteile der 3 Behandlungssäulen Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie kombiniert werden, um individuell nach den Gegebenheiten eine höhere Tumorkontrollrate zu erzielen.

Die chemotherapeutische Behandlung obliegt in den meisten Fällen den Primärbehandlern der jeweiligen Fachdisziplin je nach Primärtumor.

Patienten mit disseminiertem Befall der Hirnhäute (Meningeosis carcinomatosa) können mit Reservoiren zur Gabe einer Chemotherapie in das Nervensystem versorgt werden.

Diagnostik und Untersuchungen

In der prä- und intraoperativen Diagnostik stehen uns MRT-Geräte der neusten Generation (3 Tesla), PET-Diagnostik (FET-PET und FDG-PET) zur Verfügung.

Die MRT-Diagnostik umfasst das Fibre-tracking zur Darstellung der Nervenbahnen für Motorik, Sprache oder die Sehbahn. Zusätzlich können wir als funktionelle Untersuchung zur Verbindung von Bild und Funktion die transkranielle Magnetstimulation (TMS) anbieten und eine anatomische Lokalisation von Motorik- und Sprachfunktion vornehmen.

Intraoperativ stehen uns Operationsmikroskope der neuesten Generation zur Verfügung. Zur Resektions- und Funktionskontrolle kann die Tumorvisualisierung mit Datenintegration in die Neuronavigation erhöht werden (Integration von PET-/Fibretracking/ TMS-Daten Inegration in die Neuronavigation). Auch ein intraoperativer Computertomograph ist verfügbar.

Während der Operation wird die Motorikfunktion mit elektrophysiologischem Monitoring (Motorisch evozierte Potentiale, Hirnnervenmonitoring) routinemässig überwacht. Für linkshemisphärische Läsionen im Bereich des Sprachzentrums werden regelmäßig Wachoperationen durchgeführt.

Es werden sowohl Eingriffe als auch Biopsien durchgeführt. Herfür stehen sowohl ein rahmenbasiertes Stereotaxiesystem als auch ein rahmenloses Biopsiesystem der Firma BrainLab zur Verfügung.

Alle Patienten mit hirneigenen Tumoren erhalten ein postoperatives frühes MRT innerhalb 72h nach Eingriff zur Kontrolle des Resektionsausmasses.

Die Nachbehandlung erfolgt nach interdisziplinärem Konsens des Tumorboards mit allen beteiligten Disziplinen.