Bild: Klinikgrafik Neurochirurgie

Erkrankungen der peripheren Nerven

In unserer Klinik für Neurochirurgie werden alle Formen der Erkrankungen peripherer Nerven behandelt. Hierzu zählen:

  • Kompressionssyndrome der oberen Extremität
  • Kompressionssyndrome der unteren Extremität und des Rumpfes
  • Traumatische Läsionen peripherer Nerven und des Plexus brachialis
  • Tumore peripherer Nerven
  • Schmerzsyndrome

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Periphere Nerven

Die Klinik für Neurochirurgie bietet Ihnen einmal wöchentlich (donnerstags) an unseren Standorten Campus Benjamin Franklin und Campus Charité Mitte eine Spezialsprechstunde zur Behandlung von Erkrankungen peripherer Nerven an. Es erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurologie, Neuroradiologie und der Schmerzambulanz an den jeweiligen Standorten.

Sie können sich in der Spezialsprechstunde Periphere Neven in der neurochirurgischen Hochschulambulanz beraten und behandeln lassen. Für die Terminvereinbarung kontaktieren Sie uns unter

+49 30 450 660 409

Kompressionssyndrome der oberen Extremität

Neben den nachfolgend beschriebenen Kompressionssyndromen der oberen Extremität gibt es Seltenere, wie z.B. das Supinatorlogensyndrom, das Suprascapularissyndrom, u.a.

Im Rahmen der Spezialsprechstunde erfolgt auch hierfür die Beratung, Diagnostik und Therapie.

Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom ist das häufigste Kompressionssyndrom peripherer Nerven. Die Patienten klagen über schmerzhafte Kribbelmißempfindungen des Daumens, Zeige- und Mittelfinger. In fortgeschrittenen Fällen bestehen Taubheitsgefühle der Finger und / oder Lähmungen der Handmuskulatur. Die Diagnose lässt sich mit einer elektrophysiologischen Messung einfach bestätigen. Eine operative Entlastung des betroffenen N. medianus durch eine Spaltung des Querbandes am Handgelenk kann in einem kurzen Eingriff in lokaler Betäubung erfolgen.

 

 

 

Kubitaltunnelsyndrom und Loge-de-Guyon-Syndrom

Kribbelmißempfindungen und Taubheitsgefühle des 4. und 5. Fingers und / oder Feinmotorikstörungen der Hand können auf ein Kompressionssyndrom des N. ulnaris hin deuten. Der Nerv kann an der Ellenbeuge (Kubitaltunnel) oder an der Hand (Loge-de-Guyon) durch Knochen- oder Bandstrukturen eingeengt sein. Auch hier hilft die elektrophysiologische Untersuchung beim Stellen der Diagnose. Zusätzlich kann eine hochauflösende Nervensonografie hilfreich sein. Im Rahmen einer kurzen Operation in Allgemeinnarkose kann der Nerv an der entsprechenden Stelle dekomprimiert und gelöst werden, damit eine Nervenerholung und ein Rückgang der Symptome erfolgen kann.

Thoracic outlet Syndrom

Beim Thoracic outlet Syndrom kommt es zu einer Kompression des Armnervengeflechtes (Plexus brachialis) und / oder der Gefäße im Bereich des Halsübergangs zum Brustkorb. Die Symptome können zwischen Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Lähmungen des Armes und der Hand variieren. Ursächlich können knöcherne Anbauten der Querfortsätze der Halswirbelkörper, zusätzliche Rippen, Bandstrukturen oder andere anatomische Varianten sein. Nicht immer ist die Diagnosestellung einfach, sodass auch hier die elektrophysiologische Untersuchung und eine hochauflösende Nervensonografie und / oder Schnittbildgebungen (CT-A, MRT) durchgeführt werden. Bei nicht erfolgreicher konservativer Therapie durch physiotherapeutische Behandlungen bieten wir eine operative Entlastung der Nerven- und oder Gefäßstrukturen an.

Kompressionssyndrome der unteren Extremität und des Rumpfes

Neben den nachfolgend beschriebenen Syndromen gibt es weitere Kompressionssyndrome des Rumpfes und der unteren Extremität, die jedoch sehr selten vorkommen. Gerne bieten wir Ihnen auch hier eine Beratung, Diagnostik und Therapie an.

Meralgia parästhetica

Bei brennenden Schmerzen des vorderen äußeren Oberschenkels kann es sich um ein Engpasssyndrom des äußeren Oberschenkelhautnervs (N. cutaneus femoris lateralis) handeln. Durch Testinjektionen im Bereich des vorderen Beckenkamms können wir zunächst eine Besserung der Symptome erreichen. Bei nicht dauerhaft erfolgreicher konservativer Therapie bieten wir eine operative Entlastung des Nervens am Leistenband an. Der Eingriff wird in Allgemeinnarkose durchgeführt.

Läsion des N. peroneus communis

Die häufigste Druckschädigung eines Nervens der unteren Extremität geschieht im Bereich des Wadenbeins (Fibula) kurz unter der Kniekehle. Der N. peroneus ist für die Fuß- und Großzehenhebung verantwortlich und für das Gefühlsempfinden des Fußspanns. Bei einer äußeren oder inneren (z.B. durch Gelenkzysten) Druckschädigung können also nicht nur Schmerzen, sondern auch motorische oder sensible Ausfallserscheinungen auftreten. Für die Diagnosestellung sind die elektrophysiologische Untersuchung und ein hochauflösender Nervenultraschall sinnvoll. Der Nerv kann durch eine Operation entlastet und Zysten können operativ entfernt werden.

Saphenus Neuralgie

Für Schmerzen und Taubheitsgefühle im Bereich der unteren Oberschenkelinnenseite und der Knieinnenseite kann der N. saphenus verantwortlich sein. Hier ist es wichtig Erkrankungen des Knies als Ursache auszuschließen (z.B. durch ein MRT). Ultraschall gestützte Testinjektionen können als Therapie und Diagnostik angeboten werden. Bei nicht erfolgreichen konservativen Behandlungsverfahren kann eine Dekompression des Nervens im Adduktorenkanal angeboten werden.

Morton Metatarsalgie

Bei brennenden Schmerzen der Zehenzwischenräume kann ein sog. Morton Neurom die Ursache sein. Die Diagnose kann durch ein Fuß MRT oder eine hochauflösende Nervensonografie gestellt werden. Eine Entfernung des Neuroms führt in den meisten Fällen zu einer sofortigen Besserung der Beschwerden.

Nervenkompressionssyndrome am Fuß

Schmerzen im Bereich des Fußes können durch Druckschädigungen von Nerven bedingt sein. Hier ist jedoch die Differentialdiagnostik zu orthopädischen Fußerkrankungen wichtig. Zu den Kompressionssyndromen des Fußes gehören z.B. das vordere und hintere Tarsaltunnelsyndrom.

Traumatische Läsionen peripherer Nerven und des Plexus brachialis

Nerven können durch verschiedene Trauma-Mechanismen geschädigt werden. Zerrung von Nerven, Kompression durch Blutungen oder Frakturen im umliegenden Gewebe, Durchtrennung durch Verletzung mit spitzen Gegenständen können zu einem Funktionsverlust der betroffenen Nervenstrukturen führen. Hier ist es wichtig, möglichst früh den Schädigungsmechanismus zu erkennen um die beste Behandlung einzuleiten. In einigen Fällen regenerieren die Nerven spontan. Bei ausbleibender Regeneration kann ein operativer Eingriff helfen. Wenn Nervenstrukturen durchtrennt sind, kann eine Rekonstruktion des Nervens durch eine Transplantation (z.B. mit einem eigenen Wadenbeinnerv als „Spender“) erfolgen. Weiterhin kann es sinnvoll sein, Ersatzoperationen (Nerven- oder Sehnentransfers) zum Wiedererlangen der verlorenen Nervenfunktion durchzuführen.

Tumore peripherer Nerven

Bei den meisten Tumoren peripherer Nerven handelt es sich um gutartige Tumore. Trotzdem können sie die Funktion des betroffenen Nervens relevant schädigen. Es können starke Schmerzen, Taubheitsgefühle und / oder Lähmungen auftreten. Bei Symptomen bieten wir eine mikrochirurgische Entfernung an. Hier ist es wichtig, den Tumor zu entfernen und den involvierten Nerven so wenig wie möglich zu schädigen, damit die Funktion erhalten bleibt. Daher werden diese Eingriffe unter Zuhilfenahme des Operationsmikroskops und speziellen intraoperativen Nerventestungen durchgeführt. Je nach Ergebnis der histo-pathologischen Untersuchung des entnommenen Gewebes wird dann die weitere Behandlung geplant. Es gibt einige genetische Erkrankungen, bei denen Nerventumore gehäuft vorkommen.  

Schmerzsyndrome

Bei Schmerzsyndromen an peripheren Nerven ist es wichtig zunächst die Ursache zu klären. Engpasssyndrome und Tumore an peripheren Nerven können Schmerzen verursachen, die häufig gut behandelbar sind (s.o.). Es gibt jedoch auch Schmerzen, die z.B. durch eine Durchtrennung von Nerven im Rahmen anderer Eingriffe verursacht sind. Schmerzhafte Stumpfneurome sind nicht immer einfach zu behandeln. Sonderformen sind die komplexen regionären Schmerzsyndrome (CRPS I und II), die nach Frakturen der Extremitäten oder anderen Operationen auftreten können. Hier ist eine interdisziplinäre Betreuung mit einem erfahrenen Schmerztherapeuten wichtig. Es können verschiedene operative Behandlungsansätze z.B. durch neuro-modulative Verfahren angeboten werden, wenn eine Schmerztherapie keinen Erfolg hat. Hierzu ist eine individuelle Beratung erforderlich.